Wissenswertes über Ramses II.

Er brachte seinem Reich Wohlstand und Frieden und ließ mehr Kolossalbauten errichten, ließ seinen Namen in mehr Steinen einmeißeln, als das je ein anderer Pharao vor ihm getan hatte.

Ramses als Kind (1)

 

 

 

Ramses als Kind.
Er sitzt auf einem Kissen in Form des Symbols für Horizont.
Die Haarlocke und der Finger am Mund sind charakteristisch für die Darstellung eines Kindes.

(Reliefstatue aus dem Louvre, Paris)

 

 

 

Sein Vater Sethos führte jährliche Feldzüge nach Syrien, um verlorenes Territorium zurück zu gewinnen. Als Ramses gerade mal zehn Jahre alt war, ernannte er ihn zum Oberkommandierenden des Heeres. Etwa mit 14 Jahren durfte Ramses bereits mit dem Vater in den Kampf gegen Libyen ziehen.

Gemeinsam schworen sie, den Hethitern die heute in Syrien gelegene Stadt Kadesch wieder zu entreißen, denn von dort aus wurden die Handelslinien nach Osten kontrolliert. Zwar nahmen Sethos und Ramses die Stadt kurzfristig ein, doch sie fiel den Hethitern wieder in die Hände, kaum dass die beiden nach Ägypten zurück gekehrt waren.

Neben der Ausbildung seines Sohnes hatte Sethos auch die Zukunft der Dynastie im Blick und wählte einen Harem für Ramses aus. Dessen große Königsgemahlin, die schöne Nefertari, gebar bald einen Sohn. Isisnofret, seine zweite Lieblingsfrau, schenkte ihm bald darauf einen weiteren Sohn. Innerhalb von zehn Jahren brachte jede der beiden Frauen mindestens fünf Söhne und mehrere Töchter zur Welt. Von seinen anderen Frauen kamen wahrscheinlich weitere fünf bis zehn Söhne und ebenso viele Töchter dazu.

Ramses verwendete viel Zeit darauf, die Bauprojekte seines Vaters zu beaufsichtigen. Ein Jahrhundert zuvor war eine Epoche der Kolossalbauten angebrochen. Ägypten hatte ein Imperium aufgebaut. Für seinen enormen Landbesitz brauchte es eine entsprechende Bürokratie und eine schlagkräftige Armee. Die Führer von Militär und Verwaltung gewannen zunehmend an Einfluss. Viele Wissenschaftler sind heute der Meinung, dass die Pharaonen dieser Ära kämpfen mussten, um ihre Macht zu erhalten. Daher rückten sie den alten Glauben an die eigene Göttlichkeit wieder in den Vordergrund und begannen, in großem Maßstab Statuen und Tempel zu bauen. Möglicherweise sind also die Bauten von Sethos und Ramses nicht nur Ausdruck ihres Egos, sondern entsprachen den Zwängen ihrer Zeit.

Nirgendwo demonstrierten die Herrscher ihre Rolle ehrfurchtgebietender als in Theben, der religiösen Hauptstadt des Landes. In den heiligen Bezirken von Karnak und Luxor wetteiferten die Pharaonen darum, die Monumente ihrer Vorgänger zu übertreffen.

Und erst der junge Ramses: Wie muss er an den gewaltigen Pylonen und Statuen emporgeschaut haben, im Wissen, dass auch er ein Gott und Vermittler zwischen der Welt der Götter und den Menschen sein wird. Sein Atem wird Himmel und Erde voneinander trennen. Von ihm vollzogene Rituale werden die Sonne aufgehen, den Nil über die Ufer treten lassen und das Land bewässern.

Vater und Sohn konnten bei ihren ersten offiziellen Besuchen noch die Verunstaltungen sehen, die man dem Tempel während der Regierungszeit Echnatons zugefügt hatte - der Name und das Bildnis Amuns waren von den gewaltigen Mauern getilgt worden. Das musste wieder in Ordnung gebracht werden. Gemeinsam mit den Priestern plante Sethos umfangreiche neue Projekte: Mauern und eine Säulenhalle, die uns Sterbliche noch heute auf Kleinformat schrumpfen lässt. Die hohen Mauern ringsherum in Karnak ließen Sethos und Ramses mit bematen Reliefs schmücken, die von großen Augenblicken ihres Lebens erzählen.

Die Macht des Herrschers wurde demonstriert durch bemerkenswerte Monumente: Obelisken und Kollosalstatuen, die vor den Tempelpylonen und in den offenen Höfen hinter den Pylonen platziert waren. Dem Volk wurde auf diese Weise der Herrscher näher gebracht, denn es hatte keinerlei Gelegenheit, jemals einen Blick auf den König werfen zu können.

Kleine Statuen, die man genauestens untersucht hatte, ließen den Schluss zu, dass Ramses mit angenehmen Gesichtszügen ausgestattet war. James Harris von der Universität Michigan war der Leiter eines Teams, das die Mumie geröntgt und untersucht hat. Er stellte fest:

Rames war etwa 1,72 m groß - also einer der größeren Pharaonen. Er hatte ein spitz zulaufendes Gesicht mit ausgeprägtem Kinn, das sich markant hervorhob, wenn es nicht von einem falschen Bart verdeckt wurde und eine Hakennase. Somit war er nicht gerade typisch für frühere Pharaonen. Er glich vermutlich eher den Menschen aus dem östlichen Mittelmeerraum - was nicht sonderlich überrascht, denn er kam aus dem Nildelta. In der Vergangenheit waren dort Völker aus dem Osten eingedrungen. Ramses' Gesicht konnte man sich leicht merken und seine Untertanen konnten es sich leicht einprägen. Ramses hatte rote Haare, die er - als sein Haar ergraute - mit Henna färbte.

Ramses-Statue (1)
Ramses-Statue (1)

Die "Turiner Sitzstatue" zeigt den jugendlichen Ramses II. Er trägt bereits die blaue Krone, das Zepter und die Geißel - die Königsinsignien. Zu Füßen des Herrschers erkennt man die kleinen Figuren der Königin Nefertari und des Prinzen Amunherchopeschef, des ältesten Sohnes.
(Turiner Museum)

 

Armreif (5)

Armreife aus Gold, mit einem Lapislazuli geschmückt und mit dem Namen Ramses II. beschriftet.
Sie wurden 1906 in Bubastis gefunden und gehörten vermutlich zu einem Tempelschatz.
Die beiden Enten stellen Opfergaben für die Götter dar.
(Ägyptisches Museum in Kairo)

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