Die Nachfahren
An vielen Tempelwänden - speziell in Wadi es-Sebua, Pi-Ramses,
Luxor und Karnak - werden Prozessionen der Söhne und Töchter
von Ramses dargestellt. Rückschlüsse auf die Identität
sind allerdings nicht möglich, da die Abbildungen meistens
schwer beschädigt sind. Eine genaue Anzahl ist aber beim besten
Willen nicht zu benennen. Ramses II. war mit Sicherheit süchtig
nach Ruhm (wenn auch nicht nach ägyptischen Massstäben),
ziemlich prahlerisch (er hatte ja genug Zeit, sein Image zu pflegen)
und gewiss auch in höchstem Grade potent. Dennoch kann man
ihn nicht als "Sex-Maniac" hinstellen. Trotzdem muss man
sich darüber im Klaren sein, dass es für Ramses äußerst
wichtig war, dass die königliche Linie möglichst "nie"
aussterben sollte.
Wenden wir uns zuerst den Prinzen zu:
Diese erscheinen zwar in den o.g. Listen, aber man weiß so
gut wie nichts Genaueres über sie. Einige hatten sicherlich
gute Aussichten auf die Thronfolge. Sie wurden alle auch auf eine
Thronbesteigung vorbereitet und nahmen auch an Feldzügen teil.
Das zeigen z. B. die Reliefs in Beit el-Wali, in denen der älteste
Sohn Amunherwonemef (Amun steht zu seiner Rechten) und auch Chaemweset
- der vierte Sohn - die in ihren eigenen Streitwagen dargestellt
sind. Amunherwonemef änderte danach seinen Namen in Amunherchopeschef
(Amun ist mit seinem starken Arm). Aber auch in der Schlacht um
Kadesch begleiteten mehrere Söhne den Pharao, oder waren den
jeweiligen Divisionskommandeuren zugeteilt, um praktische Erfahrungen
in einer bedeutenden Schlacht zu bekommen. Erwähnt werden hier
Preherwonemef (der dritte Sohn), Horherwonemef (zwölfter Sohn),
Merire (elfter Sohn) und Sethos (neunter Sohn), die die bedeutendsten
Gefangenen vor den König führen. Spätere Darstellungen
in Theben zeigen ebenfalls Prinzen, die der Vorführung von
Gefangenen vor die Götter beiwohnen:
Amunherchopeschef (erster Sohn),
Ramses (zweiter Sohn),
Preherwonemef (dritter Sohn),
Chaemweset (vierter Sohn),
Montherchopeschef (fünfter Sohn),
Nebencharu (sechster Sohn),
Meriamun (siebter Sohn),
Amunemuia (achter Sohn),
Sethos (neunter Sohn),
Sotpenre (zehnter Sohn),
Merire (elfter Sohn),
Horherwonemef (zwölfter Sohn),
Merenptah (dreizehnter Sohn),
Meritaton (sechszehnter Sohn).
Amunherchopeschef stand zu diesem Zeitpunkt als Thronfolger fest.
Eigentümlich ist aber, dass sein Name in Aufzeichnungen nach
dem 20. Regierungsjahr des Herrschers nicht mehr auftaucht. Statt
dessen taucht Sethherchopeschef auf, der gemäß den Listen
eigentlich nicht der nächste Kandidat für diesen Posten
hätte sein dürfen. Es ist daher plausibel anzunehmen,
dass Amunherchopeschef eben dieser Sethherchopeschef ist. Im 30.
Regierungsjahr wurde der zweite Sohn, benannt nach seinem Vater,
Kronprinz und im 52. Regierungsjahr löste ihn Chaemweset ab.
Der allerdings verstarb bereits einige Jahre später und machte
so den Weg frei für Merenptah. Etliche Prinzen erfüllten
Aufgaben, die dem Staat dienten (näheres siehe unter "Chaemweset"
und "Merenptah"). Der 16. Sohn - Meritaton - wurde "Oberhaupt
der Seher", also Hoherpriester des Re in Heliopolis.

Relief aus dem Ramesseum.
Ramses II. empfängt von Amun-Re und Mut die Macht und die Jubiläen.
Im unteren Bereich erkennt man die oben erwähnte Prozession
der ältesten Söhne, die mit Amunherchopeschef beginnen
Kommen wir dann zu den Prinzessinnen:
Zwar waren die Töchter nicht so angesehen, wie
die Söhne, jedoch wurde ihnen viel Respekt entgegen
gebracht. Sie hatten eigene Bereiche und spielten
innerhalb der königlichen Familie eine wichtige
Rolle: Sie konnten Könige heiraten oder mit ausländischen
Herrschern verheiratet werden und hatten Einfluss
auf die Politik. Die Töchter von Ramses hatten
es sehr gut!
Viele Verzeichnisse mit den Namen der Prinzessinnen
sind in einem sehr schlechten Zustand und die Namen
vieler Töchter sind nicht erhalten oder können
nicht identifiziert werden. Waren die Mädchen
im heiratsfähigen Alter, sorgten die Mütter
dafür, dass der König auf sie aufmerksam
wurde. Allerdings überwiegend aus persönlichen
Gründen, um mehr Einfluss zu gewinnen. Die Töchter
der Isisnofret und der Nefertari waren besonders privilegiert.
Ramses heiratete mindestens vier seiner Töchter,
denen die Ehre zuteil wurde, im Tal der Königinnen
beigesetzt zu werden. Prinzessinnen, die nicht mit
dem Vater, einem Bruder oder einem auslädischen
Herrscher verheiratet wurden, waren für ein wohlbehütetes
Leben im Harem bestimmt. Aber auf ein eigenes Grab,
oder auch auf ein Gemeinschaftsgrab - wie bei den
Söhnen Ramses' - durften sie nicht hoffen. Zumindest
hat man kein solches bisher entdeckt.
Sie lebten in einem goldenen Käfig, denn ihr
königliches Erbgut durfte nicht an bürgerliche
Ehemänner verschwendet werden.

Eine farbenfrohe Reflektion von Rosselini.
Links: Bint-Anat opfert der Göttin Anukis
(nicht im Bild) Blumen und ein Sistrum.
(Originalrelief an einem Pfeiler in der großen
Halle von Abu Simbel)
Rechts: Darstellung der Meritamun
(Originalrelief Grab der Prinzessin im Tal der
Königinnen, erste Halle)

Darstellung der Prinzessin Nebt-taui
- Gemälde von Prisse d'Avennes
Sie wird dargestellt mit einem Kopfschmuck, der mit
den königlichen Konkubinen assoziiert wurde.
(Das Originalrelief ist in ihrem Grab im Tal der Königinnen)
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