|
Wenn heute von Ägypten die Rede ist, weiß jeder sofort, was gemeint ist und
wo dieses Land liegt. Wie aber entstand das alles?
Um diese Frage klären zu können, müssen wir weit in
die Vergangenheit zurück "reisen". In eine Zeit,
da die Sahara noch nicht eine so große Fläche einnahm, wie
wir sie heute kennen, sondern aus wesentlich mehr fruchtbarem
Land bestand. Hier lebten Nomaden, die mit ihren Herden umher
zogen. Westlich von ihnen herrschte schon damals die Wüste
vor, die sich im Laufe der Zeit immer weiter nach Osten ausbreitete.
Somit waren die Nomaden gezwungen, ihre Herden ebenfalls immer
weiter nach Osten zu treiben, bis ihnen nur noch die Möglichkeit
blieb, sich an den Ufern des Nils nieder zu lassen. Im Westen
und östlich des Nils war die Wüste, also mussten sie das Nomadenleben
aufgeben und wurden sesshaft.
Die beiden Quellflüsse des Nils - der weisse und der
blaue Nil - brachten zu den Zeiten der Überschwemmung aus
dem heutigen Sudan fruchtbare Schlammschichten mit, in der
Wildgerste wurzelte. Der Fluss selber bot Fische und Wasservögel
im Überfluss. Also wurde aus den Nomaden ein Volk von Jägern
und Sammlern, die steinerne Gerätschaften wie Messer, Sicheln
und Pfeilspitzen hatten. Sobald die jährlichen Überflutungen
kamen, zogen sie sich in die nahe Wüste zurück und warteten,
bis der Wasserspiegel wieder gefallen war. Diese Daseinsform
dauerte bis ins 6. Jahrtausend v. Chr.
Danach blieben die Regenfälle im Süden durch eine Klimaverschiebung
aus und die Bewohner mussten zwangsläufig ihre Lebensgewohnheiten
ändern. Aus den Jägern und Sammlern wurden während dem 5.
Jahrtausend v. Chr. Bauern, die Ackerbau und Viehzucht betrieben
und somit das Bild der gesamten Region veränderten. Aus dieser
Zeit sind erste Siedlungen mit Haustierhaltung nachweisbar,
wie auch das erste gezüchtete Weizen- und Gerstesaatgut.
Im 4. Jahrtausend v. Chr. lassen sich Handelskontakte
mit Mesopotamien belegen. Beide Kulturen entwickelten ein
Schriftsystem und beide führten ein künstliches Bewässerungssystem
ein. Somit entstanden zwei wesentliche Voraussetzungen für
das Entstehen der Zivilisation: ein Überschuss an Ernteerträgen
und ein Zusammenfassen von Arbeitskräften für Gemeinschaftsprojekte.
Ich habe hier von Überschwemmungen geschrieben, die ich genauer
erklären möchte:
Im späten Frühjahr fegten Monsumwinde vom Indischen
Ozean her mit gewaltigen Regengüssen über das Hochland von
Ostafrika hinweg und der Blaue Nil schwoll stark an. Die Fluten
wälzten sich durch Gebírgsschluchten, Marschen und feuchtheisse
Urwälder nach Norden und vereinigten sich in der Nähe des
heutigen Khartum mit dem weissen Nil. Unterhalb des Zusammenflusses
stürzte der Strom dann über insgesamt sechs Katarakte. Die
nördlichste dieser Stromschnellen - der sogenannte 1. Katarakt
- bildete die geografische Grenze Ägypten. Das Hochwasser
des Nils erreichte kurz nach der Sommersonnenwende das Niltal,
einen etwa 800 km langen, schmalen Streifen inmitten der Sahara.
Besonderer Vorteil für die Siedler dieses Korridors (heute
als Oberägypten bezeichnet) war, dass sich im Laufe der Jahrhunderte
aus den Schwemmablagerungen natürliche Erhebungen bildeten,
auf welchen die ersten Lehmhütten errichtet wurden. Diese
Erhebungen waren dann auch die Grundlage der äyptischen Mythologie
(siehe dort). Die Bevölkerung musste nunmehr nicht mehr in
die Wüste ausweichen, wenn die Fluten kamen. Ganz Mutige wagten
sich mit einfachen Papyrusflössen auf die schlammige Wasserwüste
hinaus, um Fische zu fangen, oder Tauschhandel mit anderen
Dörfern zu betreiben. Nach dem Rückgang der Flut blieb das
Wasser in den natürlichen Mulden und Senken stehen und die
Bauern bestellten in gemeinsamer Arbeit ihre Felder.
Um überall entlang dem Nilufer Oberägyptens die Bewässerungsanlagen
ausbauen zu können, schlossen sich die einzelnen Stämme zusammen
und bildeten später Gaue. Das alles begann um 3.500 v. Chr.
und bereits 400 Jahre später wurde das gesamte Gebiet von
einem einzigen Herrscher regiert.
Weiter im Norden - im Delta des Nils - nahm die Entwicklung
einen ganz anderen Verlauf. Hier mussten die Felder nicht
be-, sondern entwässert werden und die Ansiedlungen lagen
verstreut auf sandigen Anhöhen. Die schlechte Belegsituation
lässt es leider nicht zu, über die frühen Organisationsformen
des als Unteräypten bezeichneten Deltas genauere Angaben zu
machen.
Somit ist die Ausgangsbasis für die Geschichte des alten
Ägyptens geschaffen: Ober- und Unterägypten. Wer nun diese
beiden Gebiete vereinigt hat, ist bis heute nicht mit völliger
Sicherheit zu sagen. Die ägyptische Überlieferung spricht
von einem legendären Gottkönig namens Menes, in dessen Gestalt
wohl mehrere Herrscher zwischen 3.200 und 3.000 v. Chr. zusammengefasst
sind - so etwa die Könige Skorpion oder Narmer, deren Namen
wir von Steinreliefs kennen, über die aber sonst wenig bekannt
ist. Laut der Überlieferung dehnte Menes seine Macht auf Unterägpyten
durch militärische Erfolge und politische Schachzüge aus.
Die Überlieferung sagt ebenfalls aus, dass Menes zum Gedenken
an seinen Sieg an der strategisch wichtigen Stelle, wo sich
der Nil in seine Mündungsarme teilt, die Sümpfe trocken legen
ließ und eine neue Residenz errichten ließ - Memphis, die
Stadt der starken "weissen Mauer".
So, lieber Besucher, das war eine kleine Einführung.
Unter dem Link "Geschichte" könnt ihr die weitere
Entwicklung verfolgen. Ich für mein Teil wünsche viel Vergnügen
auf meinen Seiten.
|